In Wien geboren und aufgewachsen, saß ich als kleiner Knirps im Wiener Prater zum ersten Mal auf einem Pferd. Dieses Gefühl ließ mich nicht mehr los - ich wollte mehr! Es dauerte nicht lange, bis ich meine ersten Reitstunden nehmen durfte. Vom Pferdefieber gepackt, war es ab diesem Moment komplett um mich geschehen. Meine Eltern hofften auf eine Phase, die vorbeigehen würde – doch daraus wurde eine große Leidenschaft, die mich bis heute begleitet.
Den Traum vom ersten eigenen Pferd erfüllten mir meine Eltern mit 13 Jahren. Die wunderbare dunkelbraune Warmblutstute Serengeti sollte später auch den Grundstein für meine eigene Pferdezucht und meine künftigen Erfolgspferde legen. Doch zunächst waren es wilde Ausritte, Stoppelfeldrennen, Wanderritte und große Abenteuer, die ich in meiner Jugend mit ihr erleben durfte – eine unvergessliche Zeit!
1997 hatte ich einen folgenschweren Unfall, der mich kurzfristig aus der Bahn warf. Das Pferd einer Bekannten traf mich beim Ausschlagen ins Gesicht, und ich bin nur knapp mit dem Leben davongekommen. Diese Zeit war schwer - vor allem für meine Familie. Mein Äußeres hatte sich verändert, und ich musste lernen, mit dieser Veränderung umzugehen. Viele Operationen und ein langer Weg der Genesung lagen vor mir. Aber Aufgeben? NEIN! Und schon gar nicht die Pferde. Aufstehen, Krone richten und weitermachen!
Diese Erfahrung hat meine Lebenseinstellung grundlegend verändert. Plötzlich wurden andere Dinge wichtig, mein Fokus lag auf dem Hier und Jetzt. Das Leben genießen, Dinge tun, die mich glücklich machen - und das waren die Pferde. Sie haben mich genauso angesehen wie vor dem Unfall und haben nie hinterfragt, warum ich nun anders war. Und wenn ich im Sattel saß, hat mich auch kein anderer gefragt, weil dann nur das Gesamtbild gesehen wurde. Niemand hat gefragt, woher meine Narben waren. Das gab mir unglaublich viel Kraft, weiterzumachen und nicht aufzugeben – gleichzeitig wuchs in mir der Wunsch, den Pferden etwas zurückzugeben. Eine Form der Haltung, in der sie in ihrer Freizeit einfach Pferd sein können.
Schon während meiner Schulzeit träumte ich vom eigenen Stall. Also zog es mich hinaus aufs Land - mit vielen Stationen, viel Unterstützung und noch mehr Durchhaltevermögen, konnte ich mir diesen Traum schließlich erfüllen.
Nun bin ich im schönen Gföhl wirklich ANGEKOMMEN und darf das Leben führen, das ich mir immer gewünscht habe: ein eigener Hof, großartige Pferde, tolle Menschen, Erfolg mit meinen Pferden im Sport - und vor allem MEINE FAMILIE!
Warum artgerechte Haltung?
Weil jedes Pferd ein Recht darauf hat!
Wer ein gesundes und leistungsbereites Pferd möchte, kommt für mich an diesem Weg nicht vorbei. Eine annähernd naturnahe Haltung mit viel Bewegung, frischer Luft, guter Heuqualität, wenig Kraftfutter und ohne Fresspausen - ein Leben in der Herde mit Artgenossen und nicht in kleinen Gefängnissen. Meine Pferde dürfen 23 Stunden am Tag einfach Pferd sein und 1 Stunde am Tag mit mir arbeiten und sie danken es mir jeden Tag.
Zu müde für den Sport, wenn sie Tag und Nacht in Bewegung sind? Ein klares NEIN, denn sie haben eine viel bessere Grundkondition.
Ein höheres Verletzungsrisiko? Nein, nicht mehr als sonst auch. Pferde schaffen es immer und überall sich zu verletzen, wenn man Pech hat. Und es gibt sogar weniger Verletzungen in der Arbeit mit dem Pferd. Zum einen, weil sie nie überständig sind und zum anderen weil Beine, Sehnen und Muskeln auch vor dem Warmreiten schon besser durchblutet sind, als bei Pferden die aus der Box zum Reiten geholt werden.
Am Beispiel von Ristretto kann ich nur sagen, dass er nun 15 Jahre bei mir in der Herde steht und insgesamt nur zweimal eine Verletzung hatte. Einmal eine kleine und 2025 eine, die eine etwas längere Pause erforderte. Die restlichen 11 Jahre lief er durchgehend im Turniersport, ohne auszufallen.
Warum Dressursport?
Weil mich dieses sanfte Band, die stille Kommunikation zwischen meinem Pferd und mir und diese besondere Magie, die dabei entsteht, unglaublich faszinieren. Feines und konsequentes Reiten, Achtsamkeit auf die Bedürfnisse des Pferdes, spüren, was es wann braucht und vor allem Respekt und Dankbarkeit ihm gegenüber - sind für mich der Weg zum Ziel. Mein Pferd ist kein Sportgerät, sondern mein Partner in einem Teamsport. Und als solches braucht es geistige und körperliche Fitness. Wenn es meinem Pferd nicht gut geht, kann es kein guter Partner sein. Mit Kraft kann ich als nur 160cm große Person ein 600kg schweres Geschöpf zu nichts zwingen. Gefühlvolles und gesunderhaltendes Training mit positiver Muskelspannung bringt den Pferden in der Leistung einen Glückshormoncocktail und sie arbeiten dadurch gerne mit. Keine Strafe bei schlechter Ausführung der Lektionen, sondern Wiederholung, mit positiver Verstärkung, bei Gelingen. So hat man auf lange Sicht ein zufriedenes Pferd, welches zu einem motivierten Partner wird, der für den Reiter alles gibt.
Daher mein Motto: Eleganz und Harmonie - mit Herz und Haltung!
Warum Turniersport?
Weil das gemeinsame Training mit meinem Partner Pferd und die Leistungsüberprüfung am Turnier für mich die Verkörperung von Ehrgeiz und Durchhaltevermögen sind - und ich so immer ein Ziel vor Augen habe, das mich von meinen Einschränkungen ablenkt. Es geht mir dabei nicht ums Gewinnen, sondern darum mit einem tollen Gefühl aus der Prüfung rauszugehen. Das, was man zuhause geübt hat und wofür man viel Schweiß vergossen hat, dann auch abrufen zu können und im Idealfall die Harmonie zwischen mir und meinem Teamkollegen Pferd zeigen zu können. Wenn das dann noch mit einer Platzierung belohnt wird, umso besser!
Was macht mich am meisten stolz?
Dass ich mit meinem Ristretto, den ich selbst gezogen habe und der ein Enkelsohn der wunderbaren Serengeti ist, von den Jungpferdeprüfungen bis in die schwere Klasse wachsen konnte und wir uns Stufe für Stufe hochgearbeitet haben und das noch dazu mit unglaublichem Erfolg!
Auch eine coole Lebenserfahrung:
Ich bin 5 Showauftritte mit den "Moments in Black" -
Österreichs größter Friesen Showgruppe - geritten